Belohnung

Das Wochenende wird ja gerne für die berüchtigten langen, langsamen Läufe genutzt, als Vorbereitung für alles was so an Herausforderungen in den nächsten Monate ansteht. Mache ich natürlich auch so. Wenn auch wenig diszipliniert, das geb ich zu. Das spielt sich eher ganz grob und locker ab, natürlich achte ich darauf regelmäßig und "genug" zu laufen, in meinem Kalender stehen aber nur solche Hinweise wie "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf". Reicht mir zur Zeit und hat sich letztes Jahr sehr bewährt.
Allerdings frage ich mich immer noch ab wann ein langer Lauf eben ein langer Lauf ist. Ab 20km? 25? Mehr? Weniger?
Ist wahrscheinlich abhängig von vielen Faktoren und bei jedem anders. Für mich persönlich beginnt der lange Lauf ab 25km aufwärts. Als Vergleich, vor fünf Jahren wäre es alles über 15km gewesen. Da wird man als Läufer anpassungsfähig.
Woran mache ich das mit den 25km fest? Wieder nur eine persönliche Sache: das ist in etwa meine 2 Stunden Grenze. Meine "Hausrunden" bewegen sich derzeit zwischen 16-22km. Das geht immer irgendwie, besonders nach der Arbeit kommt da auch mal erhebliche Andrenalin-Ventil-Wirkung durch, mit teilweise "interessanten Zeiten". Diese Runden bleiben aber immer unter zwei Stunden.
Mehr als zwei Stunden am Stück zu laufen dagegen zeigt mir ganz einfach ziemlich deutlich wie es um meine Gesamtform steht. Sowohl im Kopf als auch in den Beinen hat sich entweder eine dezente Kampfstimmung aufgebaut oder es geht fluffig weiter.
Mit allen Grautönen dazwischen natürlich, manchmal will der Kopf nicht mehr, aber die Beine können noch lange, oder umgekehrt. Kennt ihr, geht jedem so vermute ich. Und jeder hat seine Tricks dann motiviert zu bleiben und doch einfach weiterzulaufen.
Aber spannend sind eben die beiden "Extreme", entweder volle Flaute oder volle Motivation. Flaute hatte ich (zum Glück!) schon ewig nicht mehr, heute dagegen war "volle Motivation" schon fast eine Untertreibung. Ich hatte mir grob eben genau diese 25km vorgenommen, aber dann während des gut gelaunten Laufs noch die eine oder andere Schleife eingebaut. Das Wetter war einfach super und ich wollte die Sonne auskosten. Zum Schluss sind fast punktgenau 30km rausgekommen.
Aber das sind alles nur schnöde Zahlen.
Viel entscheidender war, dass mir der Lauf wie eine dicke fette Belohnung vorkam.
Belohung für die vielen dunklen und grauen Nachtläufe der letzten Wochen (besonders nach der schönen Zeit auf Madeira), Belohnung für das Durchhalten bei kaltem Regen und Frost, Matsch und Eis.
So einfach bin ich gestrickt, kann mich selbst belohnen. Mit Laufen.
Tolle Sache.
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@Team Hubzilla Runners+

Kühe, Lorbeer und Levadas

Der Entschluss im Januar einfach mal für eine Woche nach Madeira zu fliegen kam relativ spontan im Herbst zustande. Einerseits waren da noch ein paar Resturlaubstage unterzubringen, andererseits wollte ich gerne meinen runden Geburtstag irgendwoanders feiern, auf die bekannten Reiseziele hatten wir keine Lust und Madeira soll ja auch "ganz schön" sein. Also Flug gebucht, Unterkunft gesucht, Auto gemietet und los.
Daß wir tatsächlich nur eine Woche da waren, kann ich überhaupt noch nicht glauben. Jeder Tag war einerseits völlig entspannt, aber auch sehr intensiv. Kennt ihr das wenn einfach mal alles passt? Und fast jede Erwartung noch getoppt wird? Kommt ja eher selten vor, hier war es so. Unsere Unterkunft im Westen der Insel (Ponta do Pargo) entpuppte sich als ganz wundervolle Ruhe-Oase in 400 Meter Höhe, mit eigenem Hühnerstall, Kuhweiden direkt am Haus, frische Limetten vom Baum, Maracuja Plantage und sogar einem kleinen Pool. Ein riesiges Anwesen ganz für uns alleine, völlig abgelegen, mit Blick einerseits auf den Atlantik und andererseits die Berge hoch.
Der Flachland-Läufer in mir war einerseits etwas erschrocken, ebene Wege scheint es auf der Insel nicht zu geben, aber insgeheim hab ich mich beim Anblick der steilen Wege schon riesig auf meine kommenden Laufrunden gefreut.
Auf dem Flug hatte ich von den Levadas gelesen und konnte mir noch nicht viel darunter vorstellen. Das sind schmale Bewässerungskanäle mit Wartungspfaden, die dadurch auch ideale Wanderwege sein sollen. Was als Wanderweg geht, funktioniert doch wohl auch als Laufstrecke. Der Zufall wollte es, dass eine der flachste Levadas (die Levada Nova) sozusagen direkt hinterm "Dorf" anfängt. Bloß etwa 250 Meter höher, auf einer Steigungstrecke von nichtmal zwei Kilometern. Besonders viel mit Laufen war auf diesem Teilstück nicht, dafür die Belohnung umso größer als ich erstmal oben war. Die Levada läuft etwa vierzig Kilometer fast konstant auf einer Höhe von 650 Metern und macht es einem wirklich leicht auch längere Teilstücke durchzulaufen und dabei die Landschaft zu geniessen.
Kleine Wasserfälle, Bäche, schroffe Abhänge, Kuhweiden, Lorbeerwälder und immer wieder eine Aussicht auf den Atlantik die einem den Atem raubt. Ganz ehrlich, ich war im Glück "dort oben". Innerhalb weniger Meter kann sich die komplette Umgebung ändern, eben noch im "Regenwald", ist da plötzlich eine Weide mit gemütlichen Kühen oder Ziegen, dann wieder Lorbeerwald und eine weitere Kurve später ein wilder Bach mit Wasserfall.
Luftlinie zählt hier nichts, durch die vielen Windungen kommen sehr schnell sehr viel mehr Kilometer zusammen als vermutet. Ich bin also immer eher mit Blick auf die Uhrzeit gelaufen, um nicht zu spät umzukehren, und hab die Kilometer überwiegend ignoriert bzw. nur als groben Hinweis gesehen.
Zwei Paar Laufschuhe waren mit auf der Reise, aus purer Neugier was die im Gelände so können, hab ich aber eigentlich nur die Altra Superior genutzt. Und die haben einen guten Job gemacht, trittsicher und dabei angenehm leicht.
Übrigens stehen auf den Wanderrouten überall immer wieder tadellose Trinkwasserstellen, mein kleinen Wasservorrat musste ich daher fast nie nutzen.  
Innerhalb der einen Woche war ich fünfmal unterwegs und es sind so immerhin knappe hundert Kilometer zusammengekommen. Ganz sicher werden das in Zukunft noch wesentlich mehr auf dieser wundervollen Insel, ich hab da ein klein wenig mein Herz verloren.

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Nochmal drauf geschaut

Mal so nebenbei:
Vor einiger Zeit hatte ich sowohl über die Altra One als auch die Skora Tempo ein paar Zeilen verfasst. Ich war auf der Suche nach ausdauernden Schuhen mit 0-Millimeter Sprengung (Zerodrop), leichter Dämpfung und vor allem, breiter Zehenbox.
Zeit für eine kleine Rückschau, nachdem ich mit beiden so einiges an Kilometern gelaufen bin. Interessant auch, dass genau zum Vergleich dieser beiden wiederholt Fragen per Email bei mir eingeflogen sind.

Also gerne mal meine Sicht kurz zusammengefasst:
1. Der Vergleich hinkt.
2. Altra hat sich bei mir durchgesetzt.

Das Tolle ist ja, ich stehe überhaupt nicht auf gedämpfte Schuhe, die kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Bei langen Läufen (+25km) zum Beispiel, oder wenn die Füsse einfach mal was anderes wollen. Die wollen zwar eher selten was anderes, ich liebe nunmal das minimale Laufen auch auf langen Strecken, aber es gibt halt solche Tage …
Anfangs wurden beide bewusst immer abgewechselt, ich ertappte mich aber bald dabei, vermehrt automatisch zu Altra zu greifen.
Der Grund ist simpel: die sind einfach bequemer.
Mit den Tempo musste ich etwas rumexperimentieren, Innensohle raus, Schnürung ändern. Und nach wie vor finde ich die für Asphalt eher ungeeignet (im Gegensatz zu den Phase, klasse Dinger). Skora verbaut in die Ferse der Aussensohle das Firmen-Logo, mit einem Material das geringfügig härter als der Rest der Sohle ist, das ist schick und hilft vor allem dabei Fersenlaufen zu vermeiden. Fehltritte machen sich allerdings schnell bemerkbar, nicht in Form von Aufprallschmerzen, aber es ist eben merklich härter. Das soll wohl so sein, als pädagogischer Faktor. Ok, kein Problem bei mir, Fersenlauf ist längst Geschichte, könnte aber für andere ein Riesenproblem werden. Mit anderen Worten: das sind wirklich keine Schuhe für 0-Millimeter-Anfänger.
Mit Altra One dagegen kann ich einfach losrennen, laufe dann gleichmäßig und mit korrektem Stil. Auf Asphalt genau so gut wie auf Waldwegen, durchaus auch mal auf fieseren Untergrund, zum Beispiel grobe Schotterpisten. Die  Schuhe können was ab und passen einfach klasse zu meinen breiten Füssen. Die Dämpfung ist Oberkante, dürfte wirklich keinen Millimeter mehr sein. Wenn ich mal wieder wochenlang nur mit maximal 3mm-Sohlen-Schuhe unterwegs war und dann mit Altra loslaufe, ist das anfangs kurz ein etwas schwammiges Gefühl. Das legt sich aber schnell, normale kurze Anpassung eben. Bei Skora brauche ich deutlich länger. Generell empfinde ich die Tempo als unausgewogen und gewöhnungbedürftig. Der Hinterkappe ist zudem nicht flexibel genug und etwas zu sehr gewölbt, drückt mir zu sehr an der Achillessehne. Meine erste Euphorie ist jedenfalls gewichen, die Schuhe fristen die letzten paar Wochen ein ziemlich ruhiges Dasein im Schrank.
Die Altra One dagegen durften mich dagegen auf zwei Marathons begleiten und auch sonst immer mehr überzeugen.
Also immer noch eine Top-Empfehlung, wenn schon gedämpfte Schuhe, dann Altra.

Und weil ich ja neuerdings öfter im Wald die Hügel hoch und runter tobe, hab ich mir vor einiger Zeit „heimlich“, ohne es euch zu erzählen, zusätzlich noch ein Paar Altra Superior 2.0 gekauft, aus meiner Sicht die Trail-Version der One. Klasse Dinger! Ob Matsch, Frost, Steine, Regen, Geröll, alles egal, darin ist man sicher unterwegs. Toller Grip, leicht und passgenau. In meinem Fall zur Zeit besonders in der Dunkelheit auf unberechenbaren Pfaden ein großer Spaß.

Aber ihr wisst ja, meine Favoriten sind die ganz leichten, flachen Dinger. Auch im Winter, auch bei Matsch und Schnee. Und sobald es wieder geht, noch mehr barfuß.

War was?

Wieder ein Jahr rum.
In den Lauf-Blogs geht es zur Zeit fast nur um Rückblicke auf die Höhen und Tiefen von 2016, es gibt sehr viel Statistik zu lesen, Jahreskilometer, stolze Anmerkungen sowie viel Nachdenkliches. Das ist sympathisch, aber eigentlich wechselt nur ein Tag zum nächsten. Und wir haben in unserem Kulturkreis einen Kalender der daraus einen Jahreswechsel macht. Falls es einen „echten“ Jahreswechsel gibt, dann war es vielleicht eher der 21.12., zur Wintersonnenwende, oder wahlweise der 21.06., die Sommersonnenwende. Oder noch einfacher, wir könnten auch einfach an jeden Tag die letzten 12 Monate betrachten.
Für meine Lauferei mache ich das zumindest so, macht aus meiner Sicht irgendwie mehr Sinn, die Vergleichbarkeit bleibt und ich kann mir neue Ziele viel besser stecken.
Ein Jahresziel am 31.12. erreichen? Wieso eigentlich? Ok, weil es viele so machen, dann kommt doch wieder eine gewisse Vergleichbarkeit ins Spiel. Mich mit anderen zu vergleichen bringt mich alerdings nicht weiter, trotz der vielen netten Kontakte die sich die letzten Jahre ergeben haben, bleibt es nunmal eine Tatsache: wir sind alle anders (und das ist gut so!). Ich möchte mich nicht jeden Tag im Wettkampfmodus befinden um mit anderen mithalten zu können, die völlig andere Ziele als ich haben. Mir geht es ganz einfach um meine eigene Entwicklung, also sollte ich mich nur mit mir selbst messen.
Als ich „damals“ wieder anfing zu laufen, ging es mir schlicht darum mich endlich wieder regelmäßig zu bewegen. Irgendwann wollte ich wissen wo ich stehe, was ich kann. Der erste 10km Lauf wurde absolviert. Blut geleckt, mehr messen, öfter mal ein Volkslauf, dann Halbmarathon, dann Marathon. Mit Höhen und Tiefen, nicht in 12 Monaten gepackt, sondern alles ergab sich einfach. Zum Beispiel 2013, da war eine komplette Neuausrichtung nötig, mental wie auch körperlich. Mir wurde klar dass ich zwar ein passabler Läufer bin und ich wollte mehr, die Leistungen wurden aber immer schlechter. Also Stoptaste, keine Wettkämpfe, statt dessen Reflexion, Analyse und komplett von vorne, Laufen neu lernen, hin zu minimalen Schuhen und so weiter. Dieser Prozess begann etwa im März. Wie und warum soll ich mich in so einem Jahr am 31.12. mit dem Vorjahr vergleichen? Macht keinen Sinn. Wohl aber sich vom Zeitpunkt X neue Ziele setzen, egal ob mitten im März oder Juli. 2016 hab ich mir ein paar zukünftige Ziele bereits im September gesetzt, darauf arbeite ich momentan hin, die sorgen dafür dass sich mein Laufverhalten geändert hat, das sieht statistisch wirklich toll aus, sagt aber nix aus. Eine Rückschau dazu kann ich dann vielleicht im August 2017 machen. Und so wie ich mich kenne, sind zu dem Zeitpunkt bereits wieder neue Ziele und Pläne gesetzt, die eine Rückschau obsolet machen.

Wenn also heute am 31.12. eine Rückbetrachtung des vergangenen Jahres anliegen sollte, dann könnte die relativ übersichtlich so aussehen:
Insgesamt sieben offizielle Veranstaltungen mitgemacht.
Alles andere der letzten 12 Monate ist im Fluss und hat nur „zufällig“ 2016 stattgefunden.

Mir gehts tatsächlich nur um eines: immer weiter laufen.
Dazu braucht es keine Rückschau, sondern eigentlich „nur“ Ausdauer und die Bereitschaft lernfähig zu bleiben. Optimistisch in die Zukunft schauen macht eh mehr Spaß 🙂

Randnotiz

Der milde Winter im Rheinland machts möglich, obwohl die lange Hose vor kurzem mal im Einsatz war (bei zwei Tagen mit überraschenden -5°C), bin ich doch immer wieder in kurzer Hose unterwegs.
Milde 7-10° sind nunmal kein Winterwetter und über die Weihnachtstage in Frühlingsklamotten zu laufen mag erstmal komisch wirken, aber mir wird es sonst einfach zu warm. Das tolle daran ist, ich kann einfach mit dem Barfusstraining weitermachen. Manchmal werden die Füße kurz taub, besonders bei Nässe (der Boden ist schon recht kühl), aber nach 500 Metern hat sich das dann auch schon wieder erledigt. Mehr als 4-5km laufe ich zur Zeit zwar trotzdem nicht ohne Schuhe, freue mich aber unbändig dass es um diese Jahreszeit überhaupt möglich ist. Falls es noch richtig Winter wird, auch gut, im Moment gefällt es mir so aber auch ganz gut.
Heute hab ich mir dann selbst auch noch ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht und den 2700sten Kilometer in diesem Jahr durchlaufen. Wenn ich so die letzten Monate zurüchschaue, und besonders das Frühjahr betrachte (Laufpause wegen Knieentzündung), dann bin ich mehr als zufrieden mit dieser Entwicklung.
Irgendwie wird alles immer runder. Den Düsseldorf Marathon mit minimaler Vorbereitung durchgezogen, der Monschau Marathon hat mich dann überzeugt dass noch mehr drin ist, die Entscheidung für "Zero-Drop" und Minimalschuhe war goldrichtig, der Spaß an langen Strecken wächst.

Ich mach einfach mal so weiter.

Kolumne

Übermedien.de bespricht die Runnersworld. Ich kenne weder diese noch andere Lauf-Zeitschriften besonders gut, ein paarmal am Bahnhof drin rumgeblättert, für uninteressant empfunden, das wars.

Die Kolumne liest sich trotzdem schön:
Läufer lesen länger | Übermedien

Sucht der Leser einer Laufzeitschrift eine emotionale Brücke hinüber ins Laufgefühl in Zeiten, in denen er gerade nicht läuft? Eine Annäherung an "Runner’s World" von jemandem, der beim Laufen kein Glück spürt, sondern sein Knie.

Bestes Zitat, das ziemlich viel auf den Punkt bringt:

Was der Leser einer Laufzeitschrift sucht, ist eine emotionale Brücke hinüber in das Laufgefühl in Zeiten, in denen er gerade nicht läuft. … Ich lese, also laufe ich in Gedanken. Wer einen Geländewagen kauft, fährt damit meist auch nicht ins Gelände, sondern zu Edeka.

Ich persönlich empfinde viele Zeitschriften heutzutage nur noch als öde Werbeblätter. Mal mit klar sichtbaren Anzeigen, mal clever versteckt in "Experten-Beiträgen" oder Interviews. Letztlich wollen die uns nur was verkaufen. Und Läufer (die grade nicht laufen) sind möglicherweise perfekte Konsum-Opfer, das interne Belohnungssystem funktioniert nunmal wunderbar, auch wenn man nur über das neueste sportliche Bling-Bling liest.
Vielleicht bin ich auch grade nur massiv genervt vom Konsumwahn kurz vor Weihnachten …

Mein heutiger 16km Abendlauf durch den frostigen Wald hat mir mal wieder gezeigt, wie wunderbar es sein kann im Licht der Stirnlampe die Wege entlang zu traben, alle Gedanken runterzufahren und den Alltag mit all seinem Wahnsinn einfach auszuklammern. So ein Gefühl kann mir ganz sicher keine Zeitschrift geben.

42573658 Lauftipps für den Winter

Typisch für diese Jahreszeit, überall poppen plötzlich Motivations-Beiträge auf, mit so schönen Titeln wie zum Beispiel "46 Tipps zum besseren Laufen" oder "Mit diesen 12 Tipps besiegst du deinen Schweinehund" oder "99 Motivationstipps für das Winterlauftraining" und so weiter. Oft garniert mit Kauftipps und entsprechenden Affiliate-Links, der eine oder andere Autor bietet natürlich auch sein eigenes Buch an. Es gibt sogar Wintermotivationslaufkurse für ein Schweinegeld. Von den Fitness- und Laufzeitschriften ganz zu schweigen, was die so an Motivationstipps raushauen, erstaunlich, hauptsache ein abgefahrener Name und völlig neu und hip muss es sein. Und Geld kosten. Wer dann so ein Motivations-Buch liest oder die neuesten Tights mit "Xtreme-Anti-Shock-System" in der Kniekehle für schlappe 299€ kauft und sich dazu noch jeden Morgen einen "Happy-Sunshine-Super-Smoothie" (100ml 12€) reinzieht, fühlt sich auch gleich fitter und schlanker und weiß trotzdem genau dass der Schweinhund mal wieder gekonnt getrickst und gewonnen hat. Aber im ignorieren ist Mensch ja ganz grosse klasse. Lieber noch ein paar Socken mit irgendeinem irren Technik-Namen kaufen. Die kann man dann notfalls auch mal einfach so tragen, beim Rumlümmeln auf dem Sofa zum Beispiel.
Schluss mit der Augenwischerei.
Ich hab nur einen einzigen Tipp:
Lauf einfach! Jetzt!
Echt. Alles andere ist Blödsinn. Aufschieben, Schlechtes-Gewissen-Käufe, Ausreden, … damit klappt das nicht. Sondern nur mit: jetzt rein in die Laufklamotten und los. Nicht nachdenken. Laufen.
Wetter? Egal. Laune? Völlig egal. Völlig untrainiert? Dann lauf langsam, aber lauf. Total kaputt vom Job? Dann erst recht, lauf!
Nach ein paar Kilometer spielt das alles keine Rolle mehr, die Belohnung kommt von allein, Schweinehund besiegen macht Spaß. Riesenspaß! Und wird mit jedem mal einfacher. Einfach geniessen was draussen auf einen einprasselt, ob Regen, Sturm, Sonne, das alles gehört dazu und sorgt für ordentlich Abwechslung.
Aber die Motivation dazu muss nunmal jeder selbst aufbringen. Und wenn das klappt und zur Routine (im guten Sinne) wird, dann kommt der wirklich tolle Effekt: Selbstmotivation neigt dazu sich auch in anderen Lebensbereichen auszubreiten. Was kann man sich mehr wünschen?!

Um den See

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Martinslauf am Unterbacher See schon wieder, war ich nicht grade „eben“ erst hier am Start? Na ok, letztes Jahr hatten wir diesen wunderschönen Spätsommertag mit 14°C, das war eine Ausnahme, der November kann auch anders.
Bei ca. 6°C und ordentlich Wind ging es also diesmal an einem soliden Herbsttag zum Halbmarathon-Start, sofern die Läuferschar verkehrstechnisch durchgekommen ist. Die Autos stauten sich „ein wenig“ und sowohl der 10km Lauf als auch der Halbmarathon wurden eine viertel Stunde nach hinten geschoben. Viele haben sich darüber aufgeregt, mir war es relativ egal, gibt wirklich schlimmeres an einem Volkslauf-Sonntag.
Der HM-Start ging gewohnt drängelig los, trotz mehrfacher Hinweise, dass die Langsameren sich bitte weiter hinten aufstehen sollen und die Zeit eh netto gemessen wird. Die 10er wurden übrigens erstmalig in drei Startblöcken auf den Weg geschickt, könnte mir vorstellen dass das nächstes Jahr auch mit den HM-Teilnehmern gemacht wird. Fände ich gut. Die ersten zwei Kilometer waren wirklich etwas nervig, da gab es einfach wieder mal viel zu viele langsame Läufer, dazu noch in Grüppchen, teilweise unmöglich vorbei zu kommen. Aber egal, es geht ja um Spaß und die Strecke war noch lang, wir kennen das ja alles. Nach diesen stolperigen 2km hatte ich mich dann ganz gut freigelaufen und von dort an relativ konstant eine 4:20er Pace eingehalten. Ehrlich gesagt, bin ich noch nie so konstant auf einem Tempo gelaufen, das hat mich unterwegs ein wenig erstaunt und gefreut. Und ja, ich gebs zu, da war dieses Liebäugeln mit einer Zeit unter 1:30h, aber die hab ich mir ziemlich schnell wieder eingesteckt, schneller als letztes Jahr wollte ich trotzdem gerne werden.
Die VPs wurden ausgelassen, einfach weiterlaufen, darum ging es mir diesmal. Stück für Stück konnte ich mich nach vorne arbeiten, auf keinen Fall wollte ich mich diesmal an einen anderen Läufer hängen, sondern mein Ding machen, gleichmäßig, konzentriert und trotzdem mit Spaß an der Strecke. Und das ging wirklich erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass ich die letzten Monate irgendwie überhaupt nichts fürs Tempo getan hab, sondern stattdessen „nur“ in unseren stadtnahen Hügeln unterwegs war und die Waldwege erkundet hab.
Die letzten zwei Kilometer gings zum Endspurt, eignet sich wunderbar auf der Strecke, für den Zieleinlauf dann nochmal kurz voll durchtreten und bei 1:33:33 durch den Bogen gerauscht. Immerhin zwei Minuten schneller als letztes Jahr.
Statt Wasser hab ich dankbar heißen Tee genommen um nicht gleich auszukühlen, der obligatorische Weckmann wurde abgeholt und da offensichtlich nun doch noch Regen drohte, ging es recht bald nach Hause.
Mir hat der Lauf mal wieder ziemlich Spaß gemacht, vielleicht wär noch mehr drin gewesen, aber was solls (schreibe ich das eigentlich immer?), mir gehts um den Spaß und irgendwas lehrreiches nehme ich immer mit. Diesmal: ich kann mein etwas zügigeres Tempo auf dieser Distanz durchaus halten. Das ist doch mal was.
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Erst grau, dann gold

Heute früh hatte ich mich schon auf einen eher frischen und nassen Lauf eingestellt, draussen war es einfach nur grau, es regnete, alles war eher ziemlich ungemütlich.
So ein Wetter hält mich ja nun überhaupt nicht vom Laufen ab, aber irgendwie war ich dann doch etwas zögerlich, voll in gemütlicher Wochenendlaune eben, also erstmal abwarten ob es vielleicht etwas aufklart. Oder sollte heute etwa der erste Tag mit langer Hose in diesem Herbst werden? Da hatte ich echt überhaupt kein bock drauf, bin immer noch auf Spätsommer eingestellt.
Am frühen Nachmittag hörte der Regen auf, die Sonne hat ratzfatz für etliche Grad Celsius mehr gesorgt, es wurde tatsächlich richtig schön.
Also die lange Hose wieder in die Schublade geschmissen, fix in die Sommer-Laufklamotten und bei milden 16°C losgerannt. Was für ein Genuss! Ich hatte plötzlich Lust auf Hügel, Waldwege und Höhenmeter, also ab zum Aaper Wald.
Nach dem Regen war ich auf Matschwege eingestellt, gab es allerdings fast überhaupt nicht, ich war echt erstaunt wie schnell alles trocken wurde. Also statt Rutschpartien und nassen Füßen konnte ich einfach Waldluft und Sonne geniessen, wir hatten einen richtigen goldenen Oktobertag, wunderschön.
Die Runde wurde etwas länger als geplant, voll in Lauflaune, da geht dann immer noch ein kleiner Schlenker.
Nach fast genau zwei Stunden, 450 Höhenmeter und 25km war ich dann wieder zuhause. Schnell die Schuhe aus und noch zwanzig Minuten Barfuß getrabt, das muss einfach immer sein.
Die heutige Route bin ich natürlich schon öfter gelaufen, ist für mich eine wirklich tolle Trainingsstrecke, sehr abwechslungsreich und je nach Jahreszeit unterschiedlich herausfordernd. Es gab auch schon Tage, an denen ich diese Wege verflucht habe und sogar Gehpausen gemacht hab. Heute allerdings hat einfach alles gepasst, ich bin gut gelaunt nonstop durchgerannt und hatte einfach nur Spaß.

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Urlaub, Hügel und schroffe Wege

Zwei Wochen Urlaub auf Ibiza sind (leider schon) zu Ende. Wo andere Leute Party machen, schnüre ich die Laufschuhe und renne durch die Hügel im Nordosten.
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Dass mich als Läufer die üblichen spröden und schroffen Wege einer Mittelmeerinsel erwarten, war im Vorfeld klar, auch wenn es unser erster Besuch auf dieser Insel war. Dazu sollten die passenden Laufschuhe ins Gepäck, irgendwas sehr minimales und geländetaugliches, bloß was genau?
Die bewährten NB Minimus Trail oder Inov8 Trailroc standen als Kandidaten auf der Liste, nach etlichem hin und her beim Packen fiel die Entscheidung dann aber auf die guten Merrell Trail Gloves und zwar nur auf die, kein Alternativpaar ging mit auf die Reise.
Und ich muss hier jetzt mal ein Loblied auf diese "alten" Trail Gloves singen, die ehrlich gesagt um einiges besser als die Version 2 sind. Sowohl von der perfekten Passform, als auch vom Laufgefühl, die Sohle ist viel flexibler, das Sohlenprofil griffig und geschmeidig. Merrell hat sich mit den Änderungen für Version 2 aus meiner Sicht leider keinen Gefallen getan.
Letztlich durch einen Tipp vom Flowrunner, hatte ich mich vor geraumer Zeit mal auf die Suche gemacht, die Version 1 als Auslaufmodell doch noch irgendwo zu erstehen. Vereinzelte Restposten sind gelegentlich mal zu finden, bei racelite.de hat es dann endlich auch in meiner Schuhgröße zu einem äusserst fairen Preis geklappt. Toller Online Shop übrigens.
Die ersten Runden im heimischen Grafenberger Wald waren schon ziemlich überzeugend und haben ganz klar Lust auf mehr gemacht, aber während dieser Zeit hatte ich mehr Spaß an flotten Läufen entweder barfuß oder mit Vapor Gloves.

Endlich im Urlaub und auf den sehr abwechslungsreichen Strecken Ibizas unterwegs, war ganz schnell klar: das sind richtig tolle Schuhe und die perfekte Wahl!
Ob spröder Asphalt, staubige Sandwege, fiese Schotterpisten oder matschige Waldwege, die Trail Gloves machen alles mit und erwiesen sich als perfekte Begleiter. Besonders abwärts über wilde Geröllpisten waren die flexiblen und immer trittsicheren Sohlen wirklich ein grosser Spaß. Erstaunlich finde ich nach wie vor, daß die Füße auch bei langen, anspruchsvollen Strecken überhaupt nicht müde wurden.
Wirklich viel Trail-Erfahrung hab ich ja nicht und da es insbesondere beim Schuhwerk für richtige Trail-Läufer etliche Unterschiede für diverse Ansprüche gibt, möchte und kann ich da auch nix vergleichen oder bewerten.
Deshalb nenne ich die Trail Gloves Version 1 einfach mal "perfekte Waldlaufschuhe, die auch wesentlich mehr können".
Meine Läufe auf der Insel hab ich ausnahmslos in den frühen Morgenstunden gemacht, um auf jeden Fall vor der Mittagshitze wieder "daheim" zu sein. Wie üblich ging es relativ ungeplant einfach drauf los, irgendwie den Wegen folgend, mit teilweise lustigen Begegnungen, überraschenden Abzweigungen und plötzlichen gemeinen Steigungen.
Ich hatte mehrfach Kollisionen mit echt großen Spinnen in echt zähen Netzen, bin Echsen und Zikaden ausgewichen, hab nette und weniger nette Hunde kennengelernt, Wachteln, Tauben und Kaninchen aufgescheucht und bin durch Zufall an einigen historischen Stätten vorbeigelaufen.
Mein Ziel war eigentlich nur: laufen. Mindestens 12km pro Tag (es wurden fast immer mehr), nicht auf die Zeit achten, sondern die Landschaft geniessen. Daß dabei am Tag gerne mal 300-500 Meter Aufstieg zusammen kamen, war mir im Vorfeld nicht klar, passte aber wunderbar zu meiner entspannten Grundstimmung. Die Pace wurde also rigoros ignoriert, manchmal bin ich auf Pfade gelandet, die streckenweise wegen der Steigung nur im Schritt-Tempo zurückgelegt werden konnten.
Dadurch hab ich natürlich wesentlich mehr Zeit beim Laufen verbracht als sonst, das ganze bei Temperaturen um 25 Grad, vernünftigerweise wurde also immer ein halber Liter Wasser mitgenommen. Den hab ich zwar nicht jedesmal komplett benötigt, aber spätestens wenn es nach der Laufstrecke noch zum Abkühlen ins Meer ging (was für eine Wohltat!), hab ich mich anschließend über den einen oder anderen Schluck Trinkwasser gefreut.

In den 14 Urlaubstagen war ich immerhin zwölf mal laufen, mit insgesamt ca. 200 Kilometer und wasweißichwieviel Höhenmeter. Zweimal wurde ich von einen kurzen Schauer überrascht und nur ein Tag war in unserer Ecke  verregnet, was mich natürlich nicht im geringsten von meiner Laufrunde abgehalten hat. In der Nässe haben sich die Trail Gloves nochmal extrem bewährt, ich hatte einmal nach 5 Kilometern die Nase voll von den klatschnassen Socken, also fix ausgezogen, im Rucksack verstaut (Salomon S-Lab Sense Ultra Set, auch ein richtig tolles minimales Teil!) und bin die restlichen zehn Kilometer dann ohne Socken in den Schuhen weitergelaufen. Obwohl klatschnass, gab es keine Scheuerstellen, keine Blasen, nix. Die Trail Gloves sind also möglicherweise die ersten Laufschuhe, die ich auch mal ohne Socken tragen kann, sogar unter widrigen Umständen, klasse!
Barfußlaufen musste natürlich auch hin und wieder sein, aber keine wirklich nennenswerten Strecken, meißtens einfach nur die letzten zwei Kilometer bis zum Strand. Für die überwiegend schroffen Wege sind meine Fußsohlen einfach noch nicht bereit.

Es war ein durch und durch schöner Urlaub, sowohl was das Laufen betrifft, als auch ganz allgemein wegen der dringend benötigten Entspannung. Bis auf ein paarmal sehr kurzes Einloggen, war ich die ganze Zeit über offline, auch das hat mir sehr gut gepasst. Wir hatten eh regulär kein Internet in unserer Unterkunft, Roaming ist zu teuer und ich hatte schlicht und einfach keine Lust die Zeit im Internet zu vertrödeln. Es geht auch ohne mal ganz gut.

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